goetzenserleben-ausgabe01-2026-erleben-Olympische Winterspiele

Götzens und die Olympischen Winterspiele

Im Jahr 2026 feiert Innsbruck und die Region westliches Mittelgebirge das 50-jährige Jubiläum der Olympischen Winterspiele von 1976. Nach 1964 wurde Innsbruck zum zweiten Mal Austragungsort der Winterspiele, da Denver die Spiele zurückgegeben hatte. Götzens war als Teil der Region bei beiden Spielen eingebunden. Geblieben sind einerseits bauliche und infrastrukturelle Modernisierungen und andererseits touristische Impulse

Vor allem im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 1964 erfuhr Götzens einige bauliche Veränderungen. Durch die Landesstraßenverwaltung wurde die Auffahrt von Innsbruck nach Götzens und die Straße von Götzens nach Birgitz bis Axams wesentlich verbreitert. Die Straßenverbindung Götzens – Neu-Götzens – Mutters wurde neu gebaut. Dieser Straßenzug ermöglichte die Einrichtung eines Ringverkehrs von Innsbruck nach Axams. So wurde in der Zeit der Zuschauerzubringung auf der Strecke Innsbruck – Götzens einbahnig gefahren. Die Rückfahrt erfolgte über die neue Straße Götzens – Mutters – Brennerstraße nach Innsbruck.

Die Götzner Schiabfahrt war als Reservestrecke für den Abfahrtslauf der Damen und der Herren sowie für Trainingszwecke vorgesehen. Um den modernen Grundsätzen der Winterspiele zu entsprechen, wurde die bestehende Abfahrtsstrecke vom Pfriemesköpfl nach Götzens zum Teil neu trassiert und ausgebaut. Dabei half auch das österreichische Bundesheer: „Götzener Abfahrt: 35 Mann ab 17. Juni 1963. Neuschlägerung der Reservestrecke „Götzener Abfahrt“ und des Skiweges zur Mutterer Alm. Von diesem Kommando wurden rund 7500 Bäume geschlägert, entästet, entrindet und aufgestapelt. Die gewonnene Nutzholzmenge entsprach etwa 3000 Festmetern. Mangels geeigneter Unterkünfte waren die Soldaten bis zum ersten Schneefall bei der Mutterer Alm in Zelten untergebracht. Anschließend wohnten sie in einem Gasthof in Götzens. Übrigens wurde im Rahmen der Beurteilung als Reservestrecke damals festgehalten: „Die Abfahrt ist rein nordseitig exponiert und gilt als eine der schneesichersten Pisten in Tirol.“ Schlussendlich wurde die Strecke bei den Winterspielen 1964 weder für das Training noch für die Wettkämpfe verwendet. 1976 musste wiederum eine Erweiterung der Götzner Abfahrt durchgeführt werden.

Neben den baulichen Veränderungen kurbelten die Winterolympiaden auch den Tourismus an und brachten eine merkliche Wende. 1960 gab es im Ort drei Beherbergungsbetriebe mit insgesamt 95 Betten. Weitere 166 Fremdenbetten standen in Privatunterkünften zur Verfügung. Die Nächtigungsziffer betrug damals 15.400. Nach der Gründung des Fremdenverkehrsverein Götzens vollzog sich die Umwandlung vom Bauerndorf zur Fremdenverkehrsgemeinde. So konnten bei der Olympiade 1976 bereits 86.000 Nächtigungen verzeichnet werden, 1981 waren es rund 140.000 (Winter 67.218 / Sommer 72.966). Die Zahl der gewerblichen Betten betrug 1980 bereits 500. Bis 1986 erfolgte ein Anstieg auf 520. Die Zahl der privaten Fremdenbetten ging allerdings in der Zeit von 1980 bis 1986 von 500 auf 280 Betten zurück. Dafür stieg die Zahl der Betten in den Ferienwohnungen von 100 auf 290. 1987 war eine Gesamtbettenzahl von 1.100 zu verzeichnen. Von nun an sollten weder Bettenanzahl noch Nächtigungszahlen wesentlich steigen und die Impulse für den Tourismus durch die beiden olympischen Winterspiele nachlassen. Mittlerweile brodelte sogar die Gerüchteküche, ob die Götzner Schiabfahrt nicht eine Wiederaufforstung erleben würde. Die Gemeinde Götzens erlebte auch unabhängig der Anforderungen von Winterspielen noch einige touristische Investitionen. Deren Erfolg spiegelte sich in den Zahlen aber nicht mehr wider. So verzeichnete Götzens im Jahr 2025 noch rund 100.000 Nächtigungen (Winter 44.256 / Sommer 56.583) und damit weit weniger als in den 80er Jahren.

In den Jahren 1993 und 1997 stimmten die Tiroler in Volksbefragungen mehrheitlich gegen weitere Olympia-Bewerbungen. 2017 versuchte das Land Tirol einen erneuten Anlauf mit dem Projekt „Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck-Tirol 2026“. Die Frage der Volksbefragung am 15. Oktober 2017 lautete: „Soll das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck-Tirol 2026 legen?“ Wiederum stimmten 58,69 % der Götzner Bevölkerung (53,25 % der Tiroler) gegen eine Bewerbung.

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