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Klein- und Flurdenkmäler in Götzens II

Unsere Kulturlandschaft ist nicht nur von „großen“ Kulturgütern, sondern auch von zahlreichen Klein- und Flur-denkmälern geprägt. Sie erinnern an historische Begebenheiten, Naturkatastrophen oder Schicksalsschlägen, sind Ausdruck einer tief verwurzelten Volksfrömmigkeit, stellen wertvolle Zeugnisse dar und bilden unser Ge-meindebild. Die Serie „Klein- und Flurdenkmäler in Götzens“ soll einige dieser „Marterln“ genauer vorstellen.

Maria-Hilf-Kapelle

Die Maria-Hilf-Kapelle am Götzner Berg wurde am 16. September 1905 von Pfarrer Josef Hell cum simplici benedictione („mit einfachem Segen“) geweiht. Der Franziskaner Pirmin Hasenöhrl setzte cum debita jurisdictione („mit der geschuldeten (oder gebührenden) Zuständigkeit“) den Kreuzweg in der Kapelle ein. Das Männerquartett des Chores schloss die Feier mit einem Lied und das Glöcklein erhält die benedictio simplex auf den Taufnamen Barbara“. So lautet der etwas veränderte Eintrag in der Pfarrchronik über die Entstehung der „Muchiler-Kapelle“. Als Erbauerin fungierte die in Innsbruck, Maria-Hilf geborene Magdalena Ostermann (1838-1919), welche die Bausumme von 1500 Kronen spendierte. Die beiden Götzner Karl Gamper (Bau) und der damalige Kirchenprobst Franz Eigentler (Innendekoration) zeichneten sich für die Errichtung verantwortlich. Die Kopie des Maria-Hilf-Bildes stammt von Josef Mennel (1851–1930). Die würfelförmige Kapelle verfügt über ein Satteldach, einen Dachreiter, ein Marienemblem am Giebel und im Inneren über ein Tonnengewölbe mit gemaltem Sternenhimmel und Baldachin hinter dem Altar. Mit der erfolgreichen Restaurierung 2015–2016 durch den tatkräftigen Einsatz des Kameradschaftsvereins, des Hornschlittenvereins und der Schützengilde hätte das „Lenele“, wie die Erbauerin auch genannt wurde, wohl ihre rechte Freude gehabt.

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Kirchenchor mit Pfarrer Hell bei der „Muchilerkapelle“
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„Muchilerkapelle!“ nach der Renovierung

Kriegerdenkmal

Das Kriegerdenkmal vor der Pfarrkirche in Götzens dient heute der Erinnerung an die Gefallenen beider Weltkriege und steht unter Denkmalschutz. Das Steinmonument auf getrepptem Sockel mit volutengestütztem Gesims und bekrönender Steinfigur eines sitzenden („sterbenden“) Soldaten stammt aus der Werkstätte des Bildhauers Franz Theis (Innsbruck), der es nach den Plänen und Weisungen des Konservators Dr. Garber ausführte. An den Seitenflächen sind Erinnerungstafeln an die Gefallenen und Helden des ersten Weltkrieges angebracht, weitere Bronzetafeln mit den Namen der Gefallenen beider Weltkriege sind hinter dem Monument aufgestellt. Für die Errichtung verantwortlich zeigte sich ein Denkmalausschuss unter Obmann Zach. Dem Ausschuss gehörte auch der damalige Kooperator von Götzens Engelbert Schlatter an, welcher gleichzeitig auch die Wiederaktivierung der Veteranenvereines nach dem Ersten Weltkrieg organisierte.

Das Kriegerdenkmal wurde am 29. Juni 1927 im Rahmen eines Festakts offiziell enthüllt und eingeweiht. Die Festpredigt wurde von Nationalrat Prof. Dr. Kolb unter Beteiligung der Götzner Musik und Schützen, des Veteranenvereines und etlicher Ehrengäste und Abordnungen (Kaiserjägerbund, Altkaiserjägerclub, Schützen von Hötting und Pradl, Musikkapelle und Schützen von Axams, Veteranen von Birgitz, …) gehalten. Ein Zeitungsartikel aus jener Zeit schließt mit den Worten: „Während die Musikkapellen von Axams und Götzens den Andreas-Hofer-Marsch spielten und der Kirchenchor und das Volk die Herz-Jesu-Bundeshymne sangen, erschien hoch über dem Festplatze das Flugzeug „Tirol“ geführt vom Herrn Oberst v. Eccher, zog immer tiefere Kreise und Schleifen, bis es unter dem Jubel der Festteilnehmer knapp über den Dächern von Götzens den Festplatz überquerte und ihn photographisch festhielt.

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Pestsäule

Vor dem 30-jährigen Krieg im Jahre 1611 waren in vielen Dörfern Tirols zahlreiche Pesttote zu beklagen, so auch in der Gemeinde Götzens. Im Jahre 1634 schließlich suchte diese furchtbare Seuche wieder unser Land heim. Während in den Nachbargemeinden viele Pesttote zu verzeichnen waren, blieb Götzens diesmal von dieser Geißel verschont. Aus Dankbarkeit darüber errichteten die Götzner dem Pestpatron St. Sebastian einen Bildstock, das „Stoaner Marterl“, an der Weggabelung Richtung Götzner Höhle und Einödhöfe. Dieser Bildstock „verschwand“ nach Kriegsende 1945 – nach über 300 Jahren. Die gegenwärtige Pestsäule wurde von der Schützenkompanie Götzens durch viele freiwillig geleistete Arbeitsstunden 1981 wiedererrichtet und am Christi-Himmelfahrtstag 1982 durch Pfarrer Franz Schranz feierlich eingeweiht. Die Bildsäule wurde nach Entwürfen des akad. Malers Prof. Walter Honeder gestaltet, welcher sich auf für die Bilder verantwortlich zeigte. Auf achteckigem Sockel und rundem Schaft befindet sich ein vierseitiger Aufsatz mit Zeltdach. In den Aufsatznischen sind Bilder, die die Muttergottes, die Hl. Elisabeth, den Hl. Franz Xaverius sowie den Patron der Pestkranken, den Hl. Sebastian darstellen. Ein Inschriftentafel am Rundschaft erinnert an die Pestjahre 1611–1634.

Lourdeskapelle (nicht mehr vorhanden)

Im Jahr 1890 wurde bei der „Straßl“-Abzweigung nach Vellenberg die Lourdeskapelle errichtet. Die gesamten Baukosten übernahm die Kirche. Hintergrund war die Befürchtung, dass der angestrebte Privatbau durch den Kleinhändler Alfons Abentung nur zur Erzielung privater Gewinne genutzt werden sollte. Damit war sichergestellt, dass das „Opfer“ der Kirche gehörte. Wie von Zeitzeugen berichtet, waren die Opfergaben bei dieser Kapelle – an einer schon damals viel benutzten Straße – nicht zu unterschätzen. Auch ein Bittgang zur Kapelle war Teil des Kirchenjahres. Die alte Lourdes-Kapelle wurde im Zuge des Ausbaues der Götzner Landesstraße für die Olympischen Winterspiele 1964 abgetragen.

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Lourdeskapelle (nicht mehr vorhanden)
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Vellenberg (davor die Lourdeskapelle)

Hinweis:

Am Wegesrand stehen sie oft still und unbeachtet: alte Kapellen, Marterln, Bildstöcke und Wegkreuze. Sie erzählen von Glauben, Hoffnung, Dankbarkeit und Heimat. Der Verein Tiroler Kirchenschätze setzt sich für den Erhalt dieser besonderen Orte ein und möchte sie vor dem Vergessen bewahren. Hinweise auf gefährdete und vergessene Kleindenkmäler aus Götzens sind jederzeit willkommen.

GESCHICHTE GESUCHT! Ortsgeschichtlich interessante Funde, Bilder oder Hinweise wie immer erbeten an das Gemeindeamt oder per E-Mail an gemeinde@goetzens.gv.at


 

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